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Ungarisch für Deutsche 01

Wer beruflich oder privat in Ungarn unterwegs ist oder gar hier leben und arbeiten möchte, steht vor der Herausforderung, diese Sprache zu erlernen. Geht das überhaupt?


Ja, es ist möglich, das gleich vorweg. Sie sollten aber ein paar Dinge beherzigen: Vergessen Sie alles, was Sie von unserer Grammatik her kennen, Sie werden nicht viel davon wiederfinden. Dies gilt auch für den Vergleich mit der englischen Sprache. Und Ihre Lateinkenntnisse werden Ihnen ebenfalls wenig weiterhelfen, nicht einmal bei den Vokabeln.

Machen Sie sich mit dem Klang der Sprache vertraut, vor allem einige Konsonanten werden neu für Sie sein. Wenn Sie schon im Land sind, aber noch keinen Sprachkurs besucht oder auf andere Art begonnen haben, die Sprache zu lernen: Hören Sie den Menschen zu, oder hören Sie Radio (was Sie sowieso nicht vermeiden können) und versuchen Sie, die Worte im Kopf niederzuschreiben.

Dazu müssen Sie natürlich wissen, wie welcher Buchstabe des Alphabets klingt. Hier macht es uns die ungarische Sprache vergleichsweise einfach, denn fast alles wird so gesprochen, wie es auch geschrieben ist. Nur klingen einige Buchstaben anders, als wir es aus dem Deutschen gewohnt sind. Vor allem betrifft das die s-Laute als große Gruppe, dazu kommen einige andere zusammengesetzte Konsonanten, die für uns neu sind. Keine Bange, die Laute sind für unsere Zunge nicht so ungewohnt wie z.B. das helle oder dunkle „ch“ für einen Ungarn.


Das ungarische Alphabet


Das ungarische Alphabet enthält 44 Zeichen, wovon … eine echte Erweiterung unseres Alphabets sind, die anderen kann man als Variationen unserer Vokale ansehen. Wenn Sie diese Unterschiede kennen und die Laute entsprechend bilden, haben sie schon halb gewonnen, und die Chance, tatsächlich verstanden zu werden, steigt enorm – Ungarisch mit einem ausländischen Akzent ist noch immer eine selten gehörte Erscheinung und nicht selten Anlass verhaltener Belustigung.

Ich werde im folgenden Text nicht die internationale Lautschrift benutzen, sondern nur ein kursiv gesetztes Deutsch, welches die jeweilige Aussprache im Ungarischen wiedergeben soll.

Was Sie am schnellsten bemerken werden: das ungarische „s“ wird als sch ausgesprochen, so heißt denn auch die Landeshauptstadt Budapescht (Budapest).

Ein „sz“ ist ein eigenständiger Konsonant und klingt wie ein scharfes deutsches s oder ß in Riss, Post, heißen oder Haus (Sie sehen, die deutsche Sprache ist hier gar nicht konsequent und hat für einen Laut drei Schreibweisen). Also: das bekannte Gericht geht im Deutschen vielleicht noch als Schegediner Gulasch durch, aber die Stadt, nach der es benannt ist, heißt im Ungarischen „ßeged“ (Szeged). Das „e“ ähnelt dabei einem kurzen deutschen ä, solange es keinen Strich darüber hat. Aber zu den Vokalen später mehr.

Ein ungarisches „c“ klingt immer wir unser z in Zirkus oder Zitrone. Dies gilt auch in Kombination mit einem „k“ - der leckere Aprikosenschnaps heißt also Barazk-Paalinka (barack pálinka), und die ungarische Version von Winnie Pu ist Mizi Mazkoo (mici mackó).
...Barack Obama...

Ein „cs“ wiederum ist ein einzelner Laut und klingt wie das tsch in Tschinderassabäng. So heißen also der schöne Ort an der Theiß wie auch das gleichnamige Komitat Tschongraad (Csongrád). Auch in der Wortmitte finden wir diesen Laut – die Daimler AG möchte ihr neues Werk in „Ketschkemeet“ (Kecskemét) bauen lassen.

Es gibt noch einige weitere s-Laute, die vollständige Liste finden Sie hier.

Nun die andere Gruppe der zusammengesetzten Konsonanten: gy, ly, ty, ny.

Wo hat Audi in Ungarn sein Werk, in Gjör ? Nein, die Stadt in Nordwestungarn heißt Djör (Györ) . Ein „gy“ wird immer als dj ausgesprochen, wie im französischen „Mon Dieu!“ Der häufige Vorname „György“, zu deutsch „Georg“, klingt im Ungarischen wie Djördj, und die weibliche Form „Györgyi“ dann entsprechend Djördji. Ja, hier wird es für uns Deutsche etwas schwierig mit der Aussprache, aber auch nur etwas.

Ein eigener ungarischer Buchstabe ist auch „ly“ - egal, ob am Wortanfang, Ende oder in der Mitte, dieser Konsonant wird wie ein j ausgesprochen. Das ungarische Wort „hely“ (hej), zu deutsch „Ort“, klingt also wie das holländische „Hejj!“ zur Begrüßung. Ein einzelnes „j“ ist dabei auch im Ungarischen immer ein j.

Die Kombination „ty“ ist ebenfalls ein einzelner Buchstabe und spricht sich tj wie im deutschen „tja, also...“. Eine häufiges Wort damit ist „kutja“ (kutya), ungarisch für „Hund“.

Ähnlich ist es mit dem Konsonanten „ny“ - er wird als nj ausgesprochen. Meine Schwiegermutter ging also zu penj (Penny) einkaufen, als dieses neu eröffnet wurde, ja, das ist schon einige Zeit her. Das ungarische Wort für Mutter - „anya“ - hat seine phonetische Entsprechung in dem deutschen Namen „Anja“, nur das „a“ wird noch etwas anders intoniert.

Eine Liste dieser wichtigsten Konsonanten und ihrer Aussprache finden Sie hier.

Im nächsten Kapitel werden wir uns mit den Vokalen befassen.